Don't matter if you're black AND white?!
27.12.09 - Orca-Familie zu Gast in Yap
"Wir haben gerade ein paar Orcas gesehen." Sagt Captn John. "Is' klar", denke ich und zünde mir grinsend eine Zigarette an.
So beginnt eine lange Geschichte - Fotos habe ich in der Rubrik "Blog" auf der Seite mantaray.com gepostet.
http://www.mantaray.com/blog/
Die Kurzform für Lesemuffel:
Ja, ist wahr, einen Monat lang Orcas zum Quasi-Anfassen. Plus Mondfisch. Plus Mantas. Plus etliche Haie.
Und hier die lange Fassung für Genießer:
Nach einem schönen Tauchgang im Goofnuw Channel mit Mantas und einem buckelnden Grauhai an der Putzerstation breitete sich die Nachricht mit der Ankunft unseren zweiten Bootes aus wie ein Wildfeuer: Orcas! Unmittelbar vor der Kanaleinfahrt nach Colonia.
Ehrensache, dass der zweite Tauchgang zugunsten einer kleinen Suchfahrt kollektiv ausgelassen wurde.
Noch während der Fahrt nach Süden wurde allen Lästermäulern - inklusive mir selbst („Klar, und nach den Walen gehen wir Tigerhaie suchen!“) - ziemlich effektiv das Maul gestopft. Und zwar von vier Rückenflossen, die sich schon aus 50 Meter Entfernung ziemlich eindeutig identifizieren ließen.
Beim sechsten Versuch zogen wir dann das ganz große Los: Nachdem die Orcas längst aus unserem Sichtbereich verschwunden waren, kehrte eines der beiden Jungtiere zurück und schwamm keine zwei Meter unter unseren Flossen vorüber. Schwertwale in kristallklarem Wasser des offenen Pazifiks – davon träumen BBC-Filmcrews!
STRATEGIESPIEL...
Angesichts von so viel unverblümter Neugierde brach an Bord innerhalb weniger Sekunden das Orca-Fieber aus, Mantas und Haie waren natürlich erst mal passé. Die Taktik der ersten Minute - einfach ins Wasser zu springen und mit voller Flossenkraft den Walen hinterher zu paddeln - bescherte uns maximal hochrote Köpfe und einen amtlichen Muskelkater am Abend. Mit ein bisschen Disziplin und in der Schwimmrichtung der Tiere ging die Rechnung dann aber auf. Aus rund zehn Meter Entfernung konnten wir die beiden ausgewachsenen Eltern, ein halbwüchsiges Tier und ein Kalb (nicht größer als 1,5 Meter) ausgiebig beobachten. Das Kalb war vermutlich auch der Grund, wieso sich diese Kaltwasserbewohner so nahe an die Insel und besonders auch so nahe an den Äquator heran getastet haben. Dafür sprechen zumindest zwei Tatsachen: Teilweise waren die Orcas nicht einmal 100 Meter vom Außenriff entfernt. Und üblicherweise können tropische Gewässer solchen Tieren, die normalerweile anderen Säugetieren und großen Heringsschwärmen nachstellen, auch nicht genügend Nahrung bieten.
MONDSÜCHTIGE WALE
Tatsächlich kam es noch besser: Nachdem wir den Orcas um die Südspitze Yaps herum nach Westen gefolgt waren, stießen wir inmitten der Wale auf eine fünfte große Rückenflosse.
Einmal im Wasser entpuppte sich die Finne als Mondfisch, der von den Orcas neugierig beäugt aber zumindest nicht gefressen wurde. Im Gegensatz zu den Walen, die ungerührt ihres Weges zogen, blieb uns der Mondfisch vor den Yap Caverns gut zwanzig Minuten treu und ließ sich von der Blitzerei der Fotografen nicht aus der Ruhe bringen. Jeder bekam seine Fotos in den Kasten – ob angeblitzt im Gegenlicht, Frontalaufnahmen, Porträts, Modelfotos oder sogar Überwasserbilder mit rausgestrecktem „Kopf“. Als uns Tauchbasis-Manager Jan für den Nachmittag die Grauhaie am Vertigo Reef schmackhaft machen wollte, winkte jeder ab. Zuviel Input für einen Tag! :-)
HASSTIRADEN AUF DEM TROCKENEN
Natürlich war damit klar, welche Motive bei der abendlichen Slideshow auf der Leinwand der Mnuw – schließlich lief zeitgleich das Manta Fest Fotofestival mit Andy Sallmon – im Mittelpunkt stehen würden... Die restlichen Stunden wurden uns ohnehin versüßt mit Kommentaren wie „Kann ich noch mal die Orca-Fotos sehen“, oder „Jetzt hasse ich Dich noch mehr als zuvor, ich schick' Dich nächste Woche wieder nach Hause!“
Zur Ehrenrettung des Mondfisches: Wer hätte erwartet, dass der Bursche nicht sofort die langen Flossen schwingt wenn er von sieben aufgeregten Schnorchlern umkreist wird, die für ihn sicher eine prima Blaupause für eine unbekannte Art Meeresräuber hergegeben haben. Nicht übel für einen Fisch mit einem Gehirn in der Größe einer Walnuss!
UPDATE...
In derselben und den beiden darauf folgenden Woche hatten wir vier weitere Tage mit fantastischen Begegnungen mit den Orcas, die sich mehr und mehr an unsere Anwesenheit gewöhnten und immer zwischen der südöstlichen Seite der Insel und der Südspitze zu finden waren. Einige Male beobachteten wir die Wale nur im Trio, während eines der Elterntiere abwesend war. Nach Auskunft der lokalen Fischer hielten sich die Orcas schon seit sechs Wochen in den Gewässern um die Insel herum auf.
WHALE WATCHING IN BLEIGRAUEN FLUTEN
Abgesehen von den Schwertwalen stießen wir zwischen dem Manta Ray Bay Resort und er Südspitze auch regelmäßig auf die Herde von rund 100 Spinnerdelfinen, die um Yap herum heimisch sind. Üblicherweise ist diese kleine Delfin-Art nur an wenigen Stellen der Erde wirklich zutraulich, aber im Laufe der nächsten Tage bekamen wir unsere Chancen. Leider verschlechterte sich das Wetter mit den Stürmen um die Philippinen, sodass wir nur noch eine Chance hatten, um den Walen zu begegnen. Und die bekamen wir nach dem Tauchgang auch prompt serviert.
Leider nahmen uns der graue Himmel und die bewegte See unter der Wasseroberfläche auch die letzten Funken Kontrast und Licht, was ein kleines Trauerspiel war. Denn bei diesem letzten Zusammentreffen suchten die Wale unsere Nähe, kamen bisweilen so nah ans Boot heran, dass wir von der einen oder anderen schwarzweißen Fluke nach allen Regeln der Kunst mit Wasserfontänen beschossen wurden. Unter Wasser kamen uns die Tiere mit dem gebotenen Sicherheitsabstand sogar entgegen, das Kalb schwamm sogar kopfüber unter ihre Mutter um sich säugen zu lassen. Offenbar fühlten sich die Orcas absolut nicht bedroht durch unsere Anwesenheit – dabei hätten wir selbst uns in unserer Haut unwohl fühlen müssen. Wie oft teilt man schon mal das Wasser mit einem Raubtier, das selbst den Weißen Hai in seiner Größe übertrifft?
Auch wenn neben den Delfinen auch eine Herde Pilotwale um die Insel herum lebt, ist Yap kein Ziel für Whale Watcher. Dabei ist es nicht einmal das erste Mal, dass Orcas um die Insel herum gesichtet werden. Aber wann das wieder der Fall sein wird, steht natürlich in den Sternen, respektive im Plankton. Um's mit „Findet Nemo“ zu sagen: „Does anybody here speak Whale?“
(c) Daniel Brinckmann 2009 (Text & Bild)
27.12.09 - Orca-Familie zu Gast in Yap
"Wir haben gerade ein paar Orcas gesehen." Sagt Captn John. "Is' klar", denke ich und zünde mir grinsend eine Zigarette an.
So beginnt eine lange Geschichte - Fotos habe ich in der Rubrik "Blog" auf der Seite mantaray.com gepostet.
http://www.mantaray.com/blog/
Die Kurzform für Lesemuffel:
Ja, ist wahr, einen Monat lang Orcas zum Quasi-Anfassen. Plus Mondfisch. Plus Mantas. Plus etliche Haie.
Und hier die lange Fassung für Genießer:
Nach einem schönen Tauchgang im Goofnuw Channel mit Mantas und einem buckelnden Grauhai an der Putzerstation breitete sich die Nachricht mit der Ankunft unseren zweiten Bootes aus wie ein Wildfeuer: Orcas! Unmittelbar vor der Kanaleinfahrt nach Colonia.
Ehrensache, dass der zweite Tauchgang zugunsten einer kleinen Suchfahrt kollektiv ausgelassen wurde.
Noch während der Fahrt nach Süden wurde allen Lästermäulern - inklusive mir selbst („Klar, und nach den Walen gehen wir Tigerhaie suchen!“) - ziemlich effektiv das Maul gestopft. Und zwar von vier Rückenflossen, die sich schon aus 50 Meter Entfernung ziemlich eindeutig identifizieren ließen.
Beim sechsten Versuch zogen wir dann das ganz große Los: Nachdem die Orcas längst aus unserem Sichtbereich verschwunden waren, kehrte eines der beiden Jungtiere zurück und schwamm keine zwei Meter unter unseren Flossen vorüber. Schwertwale in kristallklarem Wasser des offenen Pazifiks – davon träumen BBC-Filmcrews!
STRATEGIESPIEL...
Angesichts von so viel unverblümter Neugierde brach an Bord innerhalb weniger Sekunden das Orca-Fieber aus, Mantas und Haie waren natürlich erst mal passé. Die Taktik der ersten Minute - einfach ins Wasser zu springen und mit voller Flossenkraft den Walen hinterher zu paddeln - bescherte uns maximal hochrote Köpfe und einen amtlichen Muskelkater am Abend. Mit ein bisschen Disziplin und in der Schwimmrichtung der Tiere ging die Rechnung dann aber auf. Aus rund zehn Meter Entfernung konnten wir die beiden ausgewachsenen Eltern, ein halbwüchsiges Tier und ein Kalb (nicht größer als 1,5 Meter) ausgiebig beobachten. Das Kalb war vermutlich auch der Grund, wieso sich diese Kaltwasserbewohner so nahe an die Insel und besonders auch so nahe an den Äquator heran getastet haben. Dafür sprechen zumindest zwei Tatsachen: Teilweise waren die Orcas nicht einmal 100 Meter vom Außenriff entfernt. Und üblicherweise können tropische Gewässer solchen Tieren, die normalerweile anderen Säugetieren und großen Heringsschwärmen nachstellen, auch nicht genügend Nahrung bieten.
MONDSÜCHTIGE WALE
Tatsächlich kam es noch besser: Nachdem wir den Orcas um die Südspitze Yaps herum nach Westen gefolgt waren, stießen wir inmitten der Wale auf eine fünfte große Rückenflosse.
Einmal im Wasser entpuppte sich die Finne als Mondfisch, der von den Orcas neugierig beäugt aber zumindest nicht gefressen wurde. Im Gegensatz zu den Walen, die ungerührt ihres Weges zogen, blieb uns der Mondfisch vor den Yap Caverns gut zwanzig Minuten treu und ließ sich von der Blitzerei der Fotografen nicht aus der Ruhe bringen. Jeder bekam seine Fotos in den Kasten – ob angeblitzt im Gegenlicht, Frontalaufnahmen, Porträts, Modelfotos oder sogar Überwasserbilder mit rausgestrecktem „Kopf“. Als uns Tauchbasis-Manager Jan für den Nachmittag die Grauhaie am Vertigo Reef schmackhaft machen wollte, winkte jeder ab. Zuviel Input für einen Tag! :-)
HASSTIRADEN AUF DEM TROCKENEN
Natürlich war damit klar, welche Motive bei der abendlichen Slideshow auf der Leinwand der Mnuw – schließlich lief zeitgleich das Manta Fest Fotofestival mit Andy Sallmon – im Mittelpunkt stehen würden... Die restlichen Stunden wurden uns ohnehin versüßt mit Kommentaren wie „Kann ich noch mal die Orca-Fotos sehen“, oder „Jetzt hasse ich Dich noch mehr als zuvor, ich schick' Dich nächste Woche wieder nach Hause!“
Zur Ehrenrettung des Mondfisches: Wer hätte erwartet, dass der Bursche nicht sofort die langen Flossen schwingt wenn er von sieben aufgeregten Schnorchlern umkreist wird, die für ihn sicher eine prima Blaupause für eine unbekannte Art Meeresräuber hergegeben haben. Nicht übel für einen Fisch mit einem Gehirn in der Größe einer Walnuss!
UPDATE...
In derselben und den beiden darauf folgenden Woche hatten wir vier weitere Tage mit fantastischen Begegnungen mit den Orcas, die sich mehr und mehr an unsere Anwesenheit gewöhnten und immer zwischen der südöstlichen Seite der Insel und der Südspitze zu finden waren. Einige Male beobachteten wir die Wale nur im Trio, während eines der Elterntiere abwesend war. Nach Auskunft der lokalen Fischer hielten sich die Orcas schon seit sechs Wochen in den Gewässern um die Insel herum auf.
WHALE WATCHING IN BLEIGRAUEN FLUTEN
Abgesehen von den Schwertwalen stießen wir zwischen dem Manta Ray Bay Resort und er Südspitze auch regelmäßig auf die Herde von rund 100 Spinnerdelfinen, die um Yap herum heimisch sind. Üblicherweise ist diese kleine Delfin-Art nur an wenigen Stellen der Erde wirklich zutraulich, aber im Laufe der nächsten Tage bekamen wir unsere Chancen. Leider verschlechterte sich das Wetter mit den Stürmen um die Philippinen, sodass wir nur noch eine Chance hatten, um den Walen zu begegnen. Und die bekamen wir nach dem Tauchgang auch prompt serviert.
Leider nahmen uns der graue Himmel und die bewegte See unter der Wasseroberfläche auch die letzten Funken Kontrast und Licht, was ein kleines Trauerspiel war. Denn bei diesem letzten Zusammentreffen suchten die Wale unsere Nähe, kamen bisweilen so nah ans Boot heran, dass wir von der einen oder anderen schwarzweißen Fluke nach allen Regeln der Kunst mit Wasserfontänen beschossen wurden. Unter Wasser kamen uns die Tiere mit dem gebotenen Sicherheitsabstand sogar entgegen, das Kalb schwamm sogar kopfüber unter ihre Mutter um sich säugen zu lassen. Offenbar fühlten sich die Orcas absolut nicht bedroht durch unsere Anwesenheit – dabei hätten wir selbst uns in unserer Haut unwohl fühlen müssen. Wie oft teilt man schon mal das Wasser mit einem Raubtier, das selbst den Weißen Hai in seiner Größe übertrifft?
Auch wenn neben den Delfinen auch eine Herde Pilotwale um die Insel herum lebt, ist Yap kein Ziel für Whale Watcher. Dabei ist es nicht einmal das erste Mal, dass Orcas um die Insel herum gesichtet werden. Aber wann das wieder der Fall sein wird, steht natürlich in den Sternen, respektive im Plankton. Um's mit „Findet Nemo“ zu sagen: „Does anybody here speak Whale?“
(c) Daniel Brinckmann 2009 (Text & Bild)
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